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Vereinsgeschichte

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In den wirren Jahren nach dem 1. Weltkrieg versuchte so mancher, sein politisches Süppchen zu kochen. So wollte sich auch in Völkersbach ein angeblich überzeugter Kommunist eine geeignete Plattform zur Agitation schaffen und griff auf ein probates Mittel zurück. Er gründete mit 24 weiteren jungen Männern am 19. Oktober 1928 einen Radsportverein. Die Bevölkerungsstruktur mit stark ländlich-katholischer Ausprägung bot offenbar keine günstigen Voraussetzungen zur Verbreitung derartiger Ideen. Bereits im Frühjahr 1929 legte der gescheiterte 1. Vorstand sein Amt nieder.

Die mit dem damals üblichen und möglichen Gerät ausgestatteten jungen Radsportler scheinen im heimischen Bergland des Nordschwarzwaldes nicht nur sportliche Freuden erlebt zu haben. Denn auf maßgebliches Betreiben des 1. Vorstandes Franz Wipfler fasste man bei einer Versammlung am 21. Juli 1929 den Beschluss, auch eine Musikkapelle einzurichten. Durch Vertrag verpflichteten sich spontan 8 Mitglieder, zur Instrumentenanschaffung je einen Betrag von 100,-- RM durch monatliche Ratenzahlungen von 5,-- RM anzusparen und die erforderliche Restsumme mit einem Kredit zu finanzieren. Zwei weitere Musikinteressierte gesellten sich dazu. Als Dirigent wurde Ludwig Westermann aus Malsch verpflichtet, der seine Musikproben auch in Malsch abhielt.

In Völkersbach mit einer relativ armen Bevölkerung wurden bald böse Stimmen laut, die Söhne ruinierten ihre Väter. Pfarrer Wüst, der die Musik als gute Sache erkannte, griff von der Kanzel aus vermittelnd ein und unterstützte die Musiker durch Geld- und Notengeschenke.

Am 15. Februar 1930 fasste die Vereinsversammlung den Beschluss, den Radsport ganz aufzugeben , den Verein in einen Musikverein umzuwidmen und den Namen "Harmonie" anzunehmen, wobei er Musikverein "Harmonie" Burbach Pate stand.

Im Sommer 1931 wurde am Wertungsspiel in Bruchhausen teilgenommen. "Die Kritik ist gut ausgefallen und war für alle zufriedenstellend", kommentierte der Protokollführer. Kurz danach feierte der Völkersbacher Gesangverein "Freundschaft" sein 25-jähriges Stiftungsfest und übertrug dem Neuling den musikalischen Part.

Zum Gartenfest am 10. Juli 1932 präsentierten sich die Mitglieder der Kapelle mit einer blauen Mütze, "... was reichen Beifall fand. Leider musste jeder seine Mütze selbst bezahlen, da die Vereinskasse schlecht gestellt ist."

Am 11. bis 13. Juli 1936 veranstaltete der Verein das Fest der "Fahnenweihe". Sonntags wetteiferten die Musikvereine von Burbach, Langenalb, Pfaffenrot, Schöllbronn, Sulzbach und Völkersbach miteinander. Leider nahmen die Franzosen im Juni 1945 beim Abzug aus dem Dorf die Fahne mit. An den Volksmusiktagen 1936 in Malsch und Langenalb stellte sich das Orchester der Wertung. Für die Ouvertüren "Mirande" von E. Fichtel bzw. "Erlenkrone" von H. Halter wurden die Noten "gut", für den Marsch "Gruß an Kiel" ein "sehr gut" erspielt.

Über die Kriegsjahre lag der Vereins- und Musikbetrieb vollständig darnieder. Bald nach Rückkehr der Männer aus dem Felde und Gefangenschaft wandten sich Angehörige der vor dem Kriege zusammengestellten Jugendgruppe an Willi Daum mit der Bitte, die Musikkapelle wieder zu reaktivieren. Als Vollblutmusiker kam er gerne dem Wunsch entgegen.

Herr Daum, gleichzeitig als Vorstand und Dirigent fungierend, stand noch nicht einem Verein vor, sondern einer völlig lose verbundenen Truppe, die bestrebt war, durch Tanzmusik Geld in die Kasse zu bekommen, um laufende Ausgaben zu bestreiten. Um öffentlich auftreten zu können, mussten die Musiker vor einem Prüfungsausschuss zum Nachweis ihrer Qualifikation vorspielen. Ein Relikt aus jener Konsolidierungszeit stellt die noch heute in Eigenverantwortung der Aktiven geführte Musikerkasse dar. Ein Foto vom 12. Mai 1946 sowie Kassenbucheintragungen vom August 1946, obenan ein Zuschuss der Gemeinde von 100,-- RM, sind die ersten Nachkriegsaufzeichnungen.

Um sich wieder als Verein zu etablieren, stellte man am 20. April 1947 bei der Militärregierung in Karlsruhe einen "Antrag zur Erlangung einer Vereinsgenehmigung". Nachdem die Spruchkammer in Ettlingen bestätigt hatte, dass das Gesetz "Befreiung vom Nationalsozialismus und Militarismus" auf den künftigen Verein keine Anwendung findet, erteilte der Präsident des Landesbezirks Baden die vorläufige Genehmigung zur Ausübung der Tätigkeit mit der Auflage, für jedes öffentliche Auftreten eine Sonderbewilligung durch den Offizier der Theater- und Musikkontrolle einzuholen.

Dank dem überaus starken persönlichen Einsatz einiger Männer und der Bereitschaft, materielle Opfer zu bringen, war das anfänglich fast unmöglich Scheinende gelungen, den Musikverein "Harmonie" in kurzer Zeit zu neuen Höhen zu führen. So konnte, musikalisch und organisatorisch bestens gerüstet, vom 9. bis 11. Juli 1955 das 25-jährige Jubiläumsfest, verbunden mit dem Bezirksmusikfest, in gebührender Weise begangen werden. In der Folgezeit setzten insbesondere der 1. Vorsitzende Siegfried Heid (1962 - 1965, 1969 - 1987) und Dirigent Oskar Weigl (1962 - 1985) viele Höhepunkte: glanzvolle Musikfeste mit hervorragenden nationalen und internationalen Orchestern, Konzertreisen im In- und Ausland, vom Publikum begeistert aufgenommene Jahreskonzerte und Teilnahme an Oberstufen-Wertungsspielen mit besten Ergebnissen. Unter Dirigent Christian Karbiner (1985 - 1997) führte das Orchester 1986 erstmals ein Frühjahrskonzert auf, das bis heute weiterlebt. Im selben Jahr hatte das themenbezogene Herbstkonzert seine Geburtsstunde und 1988 startete bei den 26. Völkersbacher Musiktagen die erste Wunschkonzerttombola. Neben seiner Orchestertätigkeit experimentierte Christian Karbiner mit einer Vereins-Bigband. Nachfolger Hermann Schneider (1997 bis 2000) gebührt das Verdienst, dem bei den Musikvereinen in einen Dornröschenschlaf gefallenen ausdruckstarken Waldhorn in unserer Kapelle wieder Geltung verschafft zu haben. Legendär waren seine Herbstkonzerte. Unter Stabführung von Oliver Grote (2000 bis 2007) erhielt das Orchester zur Freude der jungen Musiker einen poppigeren Klang. Seit 2007 führt Alexander Knam mit einem guten Gespür bei der Stückeauswahl Regie. Mit ihm nahm das Orchester am Wertungsspiel im Rahmend der 7. Karlsruher Blasmusiktage 2010 mit "sehr gutem Erfolg" teil.

Dem Musikverein, der 300 Mitglieder zählt - davon fast ein Drittel aktive Musiker - steht Hubert Günter als 1. Vorsitzender vor; das Orchester wird von Alexander Knam geleitet.